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Auf Bacchus’ Spuren im... Hemel-en-Aarde Tal, Hermanus und Elgin
Liebe Weinfreunde, heute geht’s Richtung Hermanus in das Himmel-auf-Erden-Tal. Man fahre von Kapstadt aus auf der N2 Richtung Somerset West. Diesmal nehmen wir nicht den schnellsten, sondern den schönsten Weg. Wir verlassen die N2 und fahren auf der R44 nach Strand, durch Gordons Bay und von dort auf der traumhaften Küstenstraße um das Kogelberg Naturreservat herum an Pringle Bay und Betty’s Bay vorbei. Passionierte Botaniker können auf dem Weg nach Kleinmond auch noch im interessanten Harold Porter’s Botanical Garden Halt machen. Ausserhalb von Kleinmond befindet sich das wunderbare 5 Sterne Arabella Ressort mit seinem Hotel, Spa und Golfplatz, das einen traumhaften Blick über die Lagune bietet. Etwa drei Kilometer vor Hermanus ist das Hemel-en-Aarde Shopping Village mit dem Weinkeller von Hermanuspietersfontein, der ein ganz nettes Weinangebot aufweisen kann. In dem Einkaufszentrum befindet sich auch ein gut sortierter Weinladen, in dem die meisten Weinen dieser schönen Gegend angeboten werden, was einen guten Überblick verschafft. Unter anderem sind in dem Hemel-en-Aarde Shopping Village auch das Hornbill House mit seiner Galerie und Keramikstudio und das Season Restaurant vertreten. Auf der R320 ist unser nächster Halt auf dem legendären Weingut Hamilton Russell. Es war das erste Weingut in dieser Region, das von dem Vater des jetzigen Besitzers gegründet wurde. 1975 kaufte er 170 Hektar Land, die er teilweise mit Reben bepflanzte. Die erste Weinproduktion erfolgte erst sechs Jahre später im Jahr 1981, verzögert durch den Behördenkrieg für die Anerkennung dieses Gebietes als Weinbauzone. Auch Behörden können irren! Nicht nur in Südafrika. Oder? Bereits heute haben die Weinproduzenten in Stellenbosch und Umgebung Probleme mit der Klimaveränderung und müssen Neuanpflanzungen an kühleren Lagen vornehmen oder auf andere Rebsorten ausweichen, um auch in Zukunft Qualitätsweine anbieten zu können. Das Hamilton Russel Weingut umfasst heute 54,5 Hektar, profitiert vom milden Klima und ist eines der am südlichsten gelegenen in Afrika. Der jetzige Gutsherr Anthony Hamilton Russell hat längst bewiesen, dass er in Südafrika Chardonnay und Pinot Noir von Weltklasse produziert. Unter dem Hamilton Russel Etikett gibt es nur die zwei obgenannten Weine, ein Olivenöl sowie ein günstigen Fynbos-Honig (170 Gramm für 20 Rand). Die Weine kosten ein bisschen mehr, die Weinverkostung ist hingegen kostenlos und wird sehr gepflegt zelebriert. Nehmen sie sich die Zeit für diese Weinprobe, sie ist mal was anderes. Nun machen wir uns auf den Weg zu Creation Wines. Auf dem Weg dorthin liegt auch das Weingut Bouchard Finlayson. Peter Finlayson gilt als der Pionier-Winzer dieses Tales, er hat übrigens bei Hamilton Russel durchgestartet und besitzt einen schönen begehbaren Weinkeller. Das Weingut La Vierge bietet ein Restaurant mit Champagner-Terrasse und einer herrlichen Aussicht. Außerdem wären da noch die Sumaridge und Newton Johnson Vineyards mit ihren guten Weinen und empfehlenswerten Restaurants. Es gibt noch ein paar weitere Weingüter, die aber keine regelmäßigen Weinproben anbieten. Bei Creation sind Sie gut aufgehoben. Es ist ein neueres Weingut, die Besitzer erwarben 22 Hektar Farmland im Jahre 2002. Jean-Claude Martin und Christoph Kaser, zwei junge in der Schweiz ausgebildete Winzer, lernten sich im Weingebiet von Neuchâtel kennen und während diverser Abenden philosophierten und fantasierten sie über die perfekte Weingegend auf diesem Planeten. Das Schicksal wollte es, dass Jean-Claude Carolyn Finlayson kennen und lieben lernte. Die beiden heirateten im Jahre 1999. Carolyn ist die Tochter von Walter Finlayson, der dem Weingut Glen Carlou zu Rang und Namen verhalf. Der heutige Besitzer von Glen Carlou ist übrigens der Schweizer Donald Hess, ex Valser Wasser. Zurück zu Carolyn und JC: Im Jahre 2002 waren sie wieder einmal in der Kap-Region unterwegs und besuchten das Himmel-auf-Erden-Tal. Ihnen offenbarte sich ihr Weinparadies. Vermutlich hat Bacchus ein bisschen nachgeholfen. Heute präsentiert sich Creation mit einem neuen Weinkeller und einem modernen und vielseitigen Weinverkostungsraum, in dem sich auch eine kinderfreundliche Ecke befindet, damit die Erwachsenen sich auf die hervorragenden Tropfen konzentrieren können. Die Auszeichnungen häufen sich langsam aber sicher, lokal und international. Creation gilt als regionaler Trendsetter. Das Angebot umfasst mittlerweile zehn verschiedene Weine. Die Weinprobe sollten Sie sich nicht entgehen lassen. Sie können für einen bescheidenen Beitrag die edlen Tropfen kosten und bekommen dazu auf die Weine abgestimmte Gourmet-Häppchen serviert. Zum Beispiel gibt es als Begleiter zum Sauvignon Blanc, Lachs-Käse- und Aubergine-Ziegenkäse-Küchlein und zum Merlot - Cabernet Sauvignon - Petit Verdot Blend Springbockterrine mit Kirschengelee und Lammspießchen, um nur zwei der vier verschiedenen Happen zu erwähnen. Eine kleine Speiskarte ist ebenfalls vorhanden, falls Sie Lust auf mehr haben und ein kleines Mittagessen oder eine Vesper in schönster Umgebung genießen möchten. Während der Fußball-WM können Sie auf Creation Wein und Fußball kombinieren: Der Winzer und Fussballfan Jean-Claude wird eine Großleinwand aufstellen. Nur Brot und Fußball wären ja sowieso zu trocken, und da wir im Juni Winter haben, wartet auch noch ein schönes warmes Feuer auf die Besucher. Sehnsucht nach einer Passfahrt wie in der Heimat? Da können wir Ihnen die N2 empfehlen. Von Kapstadt aus nach Somerset West an Gordons Bay vorbei – schon können Sie den Sir Lowry’s Pass in Angriff nehmen, fast wie in den Alpen. Wir besuchen Oak Valley Wines in der Gegend von Elgin. Beim Peregrine Farmstall biegen Sie links Richtung Villiersdorp ab und nach etwa 700 Meter rechts nach Oak Valley/Elgin Station. Das Anwesen ist auf 1786 Hektar untergebracht und konzentriert sich auf drei Hauptfarmaktivitäten, nämlich auf den Anbau von Wein, Obst und Blumen. Zudem gibt es eine Rinder- und Schweinezucht. Der erste Versuch ein Jamón Serrano ähnlichen Schinken zu produzieren, ist fast gelungen, nur der Salzanteil muss noch ein bisschen reduziert werden, dann ist er perfekt. Wir sind auf den nächsten Versuch gespannt. Immer mehr Winzer versuchen sich in Südafrika am anspruchsvollen Pinot Noir. Pieter Visser, der verantwortliche Winzer auf Oak Valley, hat für seinen Jahrgang 2008 bei der Mondial du Pinot Noir im Schweizer Sion eine Goldmedaille bekommen. Auf dem Weingut werden fünf verschiedene Weine angeboten. In der aktuellen Ausgabe der südafrikanischen Weinbibel Platter’s werden vier davon mit 4,5 von fünf möglichen Sterne honoriert. Der fünfte, der Oak Valley Blend, hat vier Sterne erhalten. Dem Besitzer Anthony Rawbone-Vilijoen’s Weinabteilung arbeitet also in der obersten Liga gearbeitet – bei sehr vernünftigen Preisen für das Gebotene. Und noch was, möchten Sie die Farm auf dem Mountain Bike erkunden, so können Sie das für 30 Rand (etwa 2,50 Euro) unternehmen. Es stehen drei verschiedenen Routen zur Verfügung. Das Nachbargut Paul Cluver betreibt neben seinem Weinanbau sehr aktiv ein Amphitheater im Eukalyptus Wald, in dem häufig Konzerte und Veranstaltungen stattfinden. Ein Erlebnis der besonderen Art. Auf der anderen Seite des Bot River gibt es ein paar kleinere Weingüter. Wenn sie die Valley Road entlang fahren kommen Sie zum South Hill, das auch ein Gästehaus und das Restaurant The Venue mit dem begabten Küchenchef Gordon Manuel, aufweist. Ein bisschen weiter ist Ross Gower, das außer Wein auch einen herrlichen Pinot Noir Brut MCC (Méthode Cap Classique) produziert. Bei diesem Champagner-Verfahren erfolgt die zweite Gärung in der Flasche, und nicht wie bei herkömmlichem Sekt im Drucktank. Ein Tipp zum Schluss. Nehmen Sie sich bei der Weinprobe Zeit, verkosten Sie gezielt, unabhängig von der Etikette und dem Preis. Lassen Sie sich nicht beeinflussen, finden Sie selber heraus was Ihnen persönlich schmeckt. In der Kapregion gibt es 586 Weinkellereien, da werden Sie sicher fündig, falls Sie noch keinen Lieblingswein haben. Santé, und bis zum nächsten Mal André & Ursula
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